Owner: Ohrenzecke - Ein Call Center Zombie berichtet URL:http://ohrenzecke.blogspot.com Join Date: Thu, 08 Nov 2007 10:34:36 -0600 Rating:0 Site Description: Dieser Blog beschreibt die Geschichte eines Menschens, der in die Fänge der Zeitarbeit geriet. Site statistics:Click here
Wie real ist die Wirklichkeit? 2007-11-08 10:26:00 __…GEFANGENE WERDEN NICHT GEMACHT!…__Wir sind der Abschaum. Wir sind ganz unten. Da, wo kein Licht mehr hinkommt. Dort, wo immer Ebbe auf dem Konto ist. Dort, wo der Vorschuss regiert. Er ist das, wonach wir gieren. Wie ein Verliebter, der nur seine neue Flamme im Kopf hat, so haben wir uns in den Vorschuss verliebt. Damit wir die Miete ganz brav am Monatsende zahlen können. Zumindest am Anfang. Hier wird ja zum 15. gezahlt und nicht wie sonst zum Monatsende. Aber das ist nicht das einzige was uns von den normalen Arbeitnehmern unterscheidet. Vielleicht nur das geringste. Wir sind das Ende der Lohnkette. Nach uns kommt nur noch Hartz IV. Wobei einige besser damit bedient wären. Sie wollen nur nicht zu Hause herum sitzen oder in der Kneipe. Im Stadtpark Pfand sammeln. Nein. Sie sind lieber Abschaum, der sich in ihr Ohr frisst. Freundlich aber ignorant. Immer schmeichelnd. So kriechen wir in ihren Gehörgang und dort setzen wir uns fest. Wir sind wie Zecken, die ihnen das Blut auss
___.... FREUNDLICH SIND DIE HYÄNEN VON DER ZEITARBEIT ...___ 2007-12-07 03:08:00 Mamorfarben sind die Wände. Ein Mann, der wacht, schaut mich an."Ich will zur Zeitarbeitsfirma."Er lächelt. Mitleidig. Nicht freundlich."Einfach in den Fahrstuhl". Ein Zeitung mit Bilder auf seinem Schreibtisch. Gedruckte Meinungen von Menschen, die glauben zu wissen, was die Wahrheit ist und wie man sie bildet.Dritter Stock. Anwaltskanzleien sind die Nachbarn und Immobilienfonds.Eine Tür - ganz aus Glas - mit einem Logo darauf. Der Schriftzug deutet auf etwas "Machen" hin.Ich klingel. Eine Frau - freundlich - schaut mich an bevor sie die Tür öffnet.Hier wird man "Herr" genannt und mit "Sie" angesprochen. Ein Getränk und ein Platz an eine Katzentisch wird offeriert. Kullis und Bonbons stecke ich mir ein.Eine Frau, blond, schnittig, jung fragt, ob ich es bin. Ich schüttele mich und sage: "Ja".Ich folge ihr in einem Raum - ein Konferenzraum - und setze mich auf den angebotenen Platz.Ein Blick nach draußen - Regentropfen, die an Glasfassaden zerschellen. Es erinnert mich an Seifen
Auf Ruinen werden Existenzen gebaut 2008-03-02 10:33:58 Ich steige aus und folge dem Strom. Menschenmassen ergießen sich die S-Bahntreppen runter. Menschen, die rauchen, die reden, die eigentlich nicht zur Arbeit wollen. Eigentlich. Doch die normative Kraft des Faktischen drängt sie morgens zum Aufstehen, unter die Dusche, an den Küchentisch, an die Haustür, vor die Tür. Egal, ob die Sonne scheint. Es regnet. Oder sonst was herrscht. Unten an der Treppe verteilen irgendwelche Mid-40er Zeitungen. Groß der Verlag. Klein der Verdienst des Einzelnen. Ich brauche keine. Wozu. Was soll ich lesen, dass die Welt schlecht ist und die Arbeitsmarktzahlen sinken. Auf drei Millionen. Drei Millionen! Jeder zwölfte hat keinen Job. Und einige. Wie ich haben einen. Wie werde ich bezahlt? Wie Aboverkäufer von Waren von großen Verlagen.Ich gehe die Stra
Wer funktioniert, ist würdig 2008-03-02 09:00:50 Das Telefon klingelt. Kein Anrufer. Ein Weckruf in die Arbeitswelt. Ich fühle mich ausgeruht trotz des Bieres, was ich gestern getrunken habe. Ich rauche, dusche, deodoriere meinen Körper. Trinke Kaffee. Den besten seit langen. Ich fühle mich beschwipst. Euphorie auf Arbeit gemixt mit Restalkohol. Ein schönes Gefühl. Schnell ziehe ich mich an und schließe die Tür. Mit Freunde reihe ich mich ein in die Riege der Menschen, die morgens zu Arbeit. Als die Tür der S-Bahn schliesst, weiß ich, dass ich wieder Mitglied in der Gesellschaft bin. Ich schaue mürrisch wie alle.
Der Mensch hat zwei Feinde: Tag und Nacht 2008-01-31 16:08:15 Die Nacht
ist nicht mein Freund. Sie ist mein Feind. Während sich meine Augenlider senken, bin ich hell wach. Die Säufersonne strahlt. Bier ist meine Schlaftablette. Mein Medikament gegen all das, was ich gerne vergessen würde. Dispo, Hunger, Zukunft, Hoffnung. Alles nur Worte, die ich mit Promille abfülle. Ein hochprozentiges Gemisch, das im Spiegel mein Gesicht zeigt. Was war? Was wird? Ich denke daran, wie es war Arbeit zu haben. Damals in der Provinz. Dort, wo das Leben die Einfachheit hat von einem Schulbesuch. Man muss nur hingegen und andere erledigen die Arbeit. Hausaufgaben. Gar nicht oder abgeschrieben. Zigaretten geschnorrt. Kaffee geklaut - genau wie Zeit. Gelacht, geweint. Zeit verschwendet. Aus vollem Ehrgeiz nicht so zu werden, wie die anderen. Der Job. Ein Hohn, wenn ma
..... Wer Arbeit will, der findet welche 2008-01-28 00:45:40 Das Telefon klingelt. Ich nehme es leicht wahr. Von fern kriecht es in meine Ohren. "Hallo?" "Ja. Hallo. Herr... . Hier ist die nette Frau von der Zeitarbeit. Ich habe sehr gute Nachrichten für Sie.""Ja. Guten Morgen." Ich bin wach."Sie können im Inbound arbeiten. Zwar nicht Rechnungsrückläufer. Aber trotzdem im Inbound. Und es ist viel besser als sonst wo.""Schön." Ich freue mich."Sie müssten einfach übermorgen zur Adresse kommen und dort bin ich dann auch.""Ja. Mache ich.""Bitte seien sie pünktlich. Aufwiederhören!"Mein Konservatismus wittert Morgenluft. Ein frischer Wind durchweht meine Synapsen.Ich rauche erstmal eine und trinke Kaffee.
...__.... Warten ist der Versuch die Zeit anzuhalten 2008-01-22 10:10:40 Ich warte. Das Telefon klingelt nicht. Trotz bezahlter Rechnung. Trotz Handy und Festnetz. Trotz vier Balken. Was mache ich. Weiter bewerben. Weitere Zukunftschancen in die Warteliste mitaufnehmen? Die üblichen Seiten wollen Menschenmaterial, das nicht am sozialen Abgrund steht. Oder schon viel weiter ist und sich zwischen Discounter und Eck-Kneipe in der Lücke zwischen Leben und Tod eingenistet hat. Sie wollen junges Fleisch, das sie auspressen und legal versklaven mit ihren großen Namen. Marken, die für etwas stehen was aus vier Buchstaben besteht und der wahre Messias unserer Welt ist."Erlösung nur durch mich. Mich müsst Ihr verdienen!Umsonst bin ich nicht zu haben." Flüstert es aus allen Ecken. Und seine Jünger sind erfolgreicher als alles vor ihnen Dagewesenes.Ein Kaffee und e Read more:Versuch
_____ Hoffnung ist die Vorfreude auf Leid 2008-01-18 04:46:37 Ich komme zu Hause an. Bilde mir ein, dass ich ein gutes Vorstellungsgespräch hatte. Endlich scheine ich eine Gelegenheit zu bekommen wieder Mensch zu sein. Ein Mann mit Arbeit - egal wie schlecht sie ist. Was zählt ist Arbeit. Keine Scham mehr, wenn ich mit Freunden rede und die Gespräche enden, wenn ich sage, dass ich arbeitslos bin. Keine Ausreden mehr. Kein inhaltsloses Gerede von Projekte, die niemals realisiert werden. Mensch sein, heißt Arbeit zu haben. Du musst. In meinem Bauch wächst wie ein Kind die Hoffnung auf Zukunft. Noch klein. Leichte Zellteilung. Eine Frau von der Zeitarbeit als Geburtsthelferin? Ich rauche. Warte. Heute kein Anruf von ihr.
Im Sammelbecken zur letzten Chance 2008-03-23 16:04:21 Ein Summen öffnet die Tür. Weißgetünchte Wände. Bilder mit Werbesprüchen. Flure, die eng wie schlecht sitzende Kleidung sind. Ich möchte rauchen. Ist hier aber nicht erlaubt. Am Tresen wartet die Frau von der Zeitarbeit. Sie lächelt. Mehr ein Grinsen, dass nichts gutes verheißt."Hallo. Schön, dass Sie da sind. Gehen Sie bitte in den Raum fünf!"Raum Fünf.Tische in einem Hufeisen aufgestellt. Vorne ein Flipchart. Ein Tageslichtprojektor. Und Menschen. Menschen, die aussehen, als ob das Arbeitsamt einen Ausflug veranstaltet. Das Klischee wird zur Realität. Dicke, das selbst Rainer Callmund zu den Schlanken gehört. Frauen, deren besten Zeiten zur Regierung Schmidt waren. Junge Frauen, deren Zukunft dunkler ist als ihr Karal Stift. Wenig alte Männer. Sie warten draußen an der Tr Read more:letzten
So klein die Räume - so klein die Geister 2008-03-24 15:11:24 Der neue Raum hat keine Nummer. Und keine Fensterfront. Nur ein Fenster. Draußen und drinnen öde. Ich setze mich. Die anderen auch. Thomas bleibt stehen. Neben ihm ist ein Cola-Automat und einer für Kaffee. Es gibt leere Kisten mit Pfand. Die Tische sind gelb und die Stühle auch. Nichtraucher. Ich sitze dich neben Kerstin. Sie stellt sich ungefragt vor und redet. Redet wie ein Wasserfall."Ich habe schon mal Outbound gemacht. Für Lotto. Drei Tage. War nicht so toll. Immer nur Absagen. Am Ende konnte ich gehen.""Wie ist dein Name?" fragt Thomas."Kerstin". Sie blickt irgendwie flehend zu ihm auf."Hör mal. Kerstin." Er betont ihren Namen."Das ist bei uns gaaaanz anderes." Lang sind die "a"s. Lang wie Kerstins Haare und genauso ungepflegt.Ihre, Thomas und meine Brille sind schmutzig.Ich h
Verdientes Geld ist die Muse der Kapitalisten 2008-04-04 14:20:38 RAUM ROM. Ich stelle mir etwas Christliches vor. Was Barmherziges. Der Raum ROM ist groß wie ein Schweinestall. Die Tröge sind Tische mit Telefonen und Computern. Das Grunzen ist das "Hallo. Sie sind verbunden...". Ich blicke umher. Gleich am Eingang zeigt uns Thomas Tische an denen schon Menschen sitzen. Dicke, Männer, Frauen, alt, jung, alle werden ausgebeutet."Ihr setzt Euch mal zu den Kollegen hier vom Inbound! Die erklären Euch dann alles." sagt Thomas und verschwindet. Vorne ist ein Tisch an dem drei Personen sitzen. Sie telefonieren nicht, sie schauen auf den Bildschirm. Bewachen die Zahlen der Calls wie Daytrader ihre Kurse. Thomas ist einer von ihnen.Ich setze mich so einen Anfang zwanzig jährigen. Zuviel Gewicht und eine Fresse, die aus Langeweile zusammengesetzt ist."Hej. I
Viele verhelfen Wenigen zum Reichtum 2008-04-28 09:28:25 Zu Hause. Das erste Mal seit langem komme ich nach den anderen. Die anderen haben schon länger Arbeit. Ich bin jetzt auch dabei. Ich darf gestresst sein, aufgedreht. Darf motzen über Chefs, Kollegen. Darf sagen, dass ich gerne was anderes machen möchte. Das ich Projekte habe. All das, während ich trinke, rauche, esse. Ich schlafe gut ein, weil ich glaube, dass ich nun wieder Mensch bin. Ein volles Mitglied in einer Gesellschaft, die auf der Arbeit von Vielen aufgebaut ist, um den Wenigen zu mehr Reichtum zu verhelfen.
Arbeit ist die Legitimierung von Existenz 2008-06-01 10:23:49 Ich stehe auf. Vor dem Wecker. Ich bin aufgedreht wie er. Es klingelt in meinen Ohren. Es ist nicht der Wecker. Es ist der innere Takt. Das Piepen. Eines, das mich begleitet wie ein Schutzengel, der an seine Existenz permanent erinnert. Ich dusche. Ich rauche. Ich esse. Ich fühle mich real. Nicht mehr die Nummer im Arbeitsamtregister. Nicht mehr aufgefordert werden zu erscheinen. Jetzt erscheine